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Eines Tages hieß es, das Ersatzbattalion des Reserve Infanterie Regiments 21 rückt nach Alexandrowo, alte russische Grenzstation, weil dort Gefahr droht. Wir wurden verladen zu 4 Komp., der Major Lucas mit seinen Pferden auch, desgleichen einige Ulanen. Die Kompanie wurden von Reserve-Hauptleuten geführt, einer davon ein Hauptmann der Reserve-Jäger, Erdmann, war ein verständiger Mann, der den verrückten Lucas erkannt hatte. Ich bekam den Befehl, den Zollschuppeninhalt sicher zu stellen, plombierte das Gebinde, fertigte einen großen Bericht, anderen Tages war er wieder zu öffnen.
Die meiner Erinnerung nach etwa einer Woche währende Zeit des Ersatzbattalions des Reserve Infanterie Regiments 21 in Alexandrowo, war überhaupt voller Scherze und zeigt die schlechte Militärführung und die Ungeeignetheit der damaligen Führer und Generäle. Der Gouverneur von Thorn, von Dickhut Harrach, war zwar ein bekannter Militärschriftsteller, aber Stratege war er nicht. Er hatte, als die Russen erstmals nach dem Einbruch in Galizien auf dem Vormarsch gegen den Winkel Strasburg/Westpr., Thorn, Hohensalza waren, die Hosen gestrichen voll.
Wahrscheinlich wußte er, was für Pappschachteln die sogenannten Panzertürme vom Fort König Wilhelm I. waren, und wie wenig die anderen Forts waren. Statt aber die beherrschenden Höhen vom Schießplatz und von Thorn nach Osten richtig zu befestigen und die Grenzhöhen besetzen zu lassen, ließ er bei jedem Wildwerden einer Kuhherde oder Annäherung von Kosakenpatrouillen die Truppen an der Grenze auf die Fortlinie zurücknehmen. Nicht einmal das zeitweise aufgegebene Alexandrowo – rin in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln – ließ er mit Infanterie versehen, kein Geschütz stand bei Alexandrowo, ein energischer Vorstoß von nur wenigen russischen Regimentern mit wenigen Geschützen und einigen Kavallerieregimentern hätte Thorn glatt überrannt, darüber waren sich die Generalstabsoffiziere klar.
Was von Dickhut Harrach konnte, das zeigte sich nachher bei Plock.
Jedenfalls wurde die Truppe von Alexandrowo damit beschäftigt, zwischen den Schienen Parademarsch zu üben und im Vorpostendienst nach Schema f. Wehe wenn eine Windmühle in Rußland in Bewegung war, sofort galt das als ein Zeichen für die Russen und alles wurde alarmiert.
Und der Kommandant von Alexandrowo, unser Major oder Hauptmann Lucas, wußte natürlich nichts Besseres. Als wir am vorletzten Tag dort gerade langsamen Schritt zwischen den Schienen und Grüßen übten, bekam ich den Befehl, mit meinem Zug die seit Jahren nicht geputzten Fenster des Bahnhofs putzen zu lassen. Unter Grinsen der Leute geschah das. Vorher hatte ich auf Befehl des Batl. einen angeblichen Spion im Orte verhaften müssen, der unter Bewachung vorzuführen und dann nach Thorn gebracht werden sollte. Als ich zu dem Haus kam, in dem der sogenannte Spion, ein Jude, wohnte, rief er vom Fenster aus: „Na da kommen Sie ja, bitte treten Sie näher!“ Es war ein sogenannter Agent, der über die Bewegungen der Russen gehört werden sollte, wie ich von Stich in Thorn wusste. Der Jude ließ sich erst noch Zigaretten holen, dann führte ich ihn ab, was nachher geschehen ist, weiß ich nicht, denn dann kam das Fensterputzen. (1)
Während die Leute bei dieser kriegsmäßigen Beschäftigung waren, kam der Hauptmann der Jäger Erdmann und fragte mich, was wir da für dummes Zeug machen. Er war gerade von Thorn gekommen und hatte wohl über den blöden Batl.-Führer berichtet.
Er ließ die Arbeit des Fensterputzens sogleich einstellen, wir schwärmten in den Ort, requirierten große Sägen und Äxte und begannen damit die mehrere 100 m kulissenartigen Holzzäune des Bahnhofs nach Rußland zu umzulegen und wenigstens mit einigen Lücken zu versehen, damit man bei einem russischen Angriff wenigstens stellenweise von einer zur anderen Kulisse gehen und sehen konnte. Die anderen Kompanien hoben um den Bahnhof herum Schützengräben aus. Nachts wurde dann die Besetzung der Gräben geübt.
(1) Huth meint wohl, dass er dann mit dem Putzen der Fenster des Bahnhofsgebäudes befasst war.

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